Die Halswirbelsäule

HWS und KopfgelenkDie Halswirbelsäule ist der beweglichste aber auch schwächste Teil der gesamten Wirbelsäule. Sie wird unterteilt in

   die fünfteilige “klassische” HWS (C3 - C7)


   dem Kopfgelenkbereich, dieser besteht aus
       Atlas (C1), Axis (C2) und dem Bewegungs-
       segment C2/3

 

Der Kopfgelenkbereich

Der Kopfgelenkbereich besteht aus dem oberen und dem unteren Kopfgelenk. Das obere Kopfgelenk (Articulatio

Atlas
Aus: Huch/Bauer: Mensch Körper Krankheit, 4.Aufl., 2003 Urban + Fischer Verlag, München, Jena

atlantooccipipitalis) besteht aus dem ersten Halswirbel Atlas (C1) und den Gelenkflächen des Hinterhauptbeins.
Der Atlas besitzt als einziger Wirbel keinen Wirbelkörper. Dafür besitzt dieser Wirbel rechts und links sogenannte Auftreibungen (Massa lateralis), welche im Bild rechts an den blauen schuhsohlenförmigen Flächen zu erkennen sind. Diese Auftreibungen sind über den vorderen und hinteren Atlasbogen verbunden. Die Oberseiten der Auftreibungen bilden zwei Gelenkpfannen, die mit den sogenannten “Kondylen” des Hinterhauptbeins in Kontakt treten. Die Gelenkflächen stimmen nicht genau überein, was uns die Möglichkeit gibt, Nick- (maximal 30 Grad) und seitliche Neigbewegungen (weniger als 20 Grad) durchführen zu können. Der Atlas “trägt” bildlich gesprochen  den Kopf, wie der Riese Atlas aus der griechischen Mythologie das Himmelsgewölbe auf seinen Schultern trug. Daher stammt auch der Name des Wirbels. Der Atlas hat das Gewicht des Kopfes von bis zu 7 Kilogramm zu tragen.

Axis und das Querband des Dens
Aus: Huch/Bauer: Mensch Körper Krankheit, 4.Aufl., 2003 Urban + Fischer Verlag, München, Jena

Die Axis ist der 2. Wirbel , auch C2 genannt, und bildet das untere Kopfgelenk (Articulatio atlantoaxialis). Die Axis ist auf Drehbewegungen spezialisiert. Dabei kontaktieren die runden Gelenkpfannen an der Unterseite des Atlas die entsprechenden Gelenkflächen der Axis. Die Axis hat schon einen Wirbelkörper und einen Wirbelbogen, sowie kräftige Quer- und Dornfortsätze. Markantestes Merkmal der Axis ist ihr Zahn (Dens axis). Der Dens ist eine kräftige Auftreibung nach oben und ragt in den Altas. An seiner Vorderfläche ist er überknorpelt und besitzt eine flache Gelenkpfanne an der Innenseite. Mit dieser Innenseite nimmt der Dens Kontakt mit dem vorderen Bogen des Atlas auf.. Die ebenfalls überknorpelte Rückseite des Dens gleitet auf einem derben Querband (Ligamenta transversum), welches zwischen den beiden Auftreibungen des Atlas gespannt ist (siehe obiges Bild). Dabei entsteht ein Hohlraum (ähnlich einem Spalt) zwischen dem vorderen Atlasbogen und dem Querband. In diesem Hohlraum kann der Dens sich bewegen und Rotationen um 15° bis 25° nach links oder rechts durchführen. Auch leichte Streck- und Nickbewegungen sind möglich, weil die seitlichen Gelenkflächen wiederum nicht exakt zusammenpassen.
Die Bänder des KopfgelenksDas Kopfgelenk ist sehr beweglich, weil es recht “schlaff” ist. Um aber zu vermeiden, dass unkontrollierte Streck-, Beuge- und Drehbewegung das Rückenmark verletzen, hemmen mehrere Bänder die  Bewegungsarten im Kopfgelenk. Die Membrana atlantooccipitalis anterior erstreckt sich zwischen vorderem Atlasbogen und Hinterhauptbein. Dieses Band verhindert übermässiges Strecken im oberen Kopfgelenk. Es gibt drei weitere wichtige Bänder, welche im nebenstehenden Bild ersichtlich sind. Diese ziehen sich V-förmig vom Dens an die vordere und seitliche Begrenzung des Hinterhauptlochs. Die seitlichen Bänder heissen Ligamenta alaria, das Band in der Mitte heisst Ligamenta cruciforme. Diese Bänder hemmen ein übermässiges Drehen und Kippen im unteren Kopfgelenk.
Ein “komplettes” Bild des Kopfgelenkes finden Sie als Zusammenfassung hier.

 

Die klassische Halswirbelsäule

Die klassische Halswirbelsäule besteht aus fünf Wirbeln C3 bis C7.

Bild eines Halswirbels

Halswirbel
Aus: Huch/Bauer: Mensch Körper Krankheit, 4.Aufl., 2003 Urban + Fischer Verlag, München, Jena

Halswirbelsäule Die Wirbel haben weitgehend die typische Wirbelgrundform, sie sind jedoch an der Foramina transversaria (Das ist eine Art Kanal für Arterien) als Halswirbel zu erkennen. Die Halswirbel sind im Vergleich zu den Wirbeln der restlichen Wirbelsäule kleiner, wobei sie sich von kranial (oben) nach kaudal (unten) vergrössern, sie sind auch quer breiter als von vorn nach hinten.  Die obere Vorder- fläche des Wirbels ist schaufelförmig ausgebildet. Die Seitenränder dieser Fläche ist  aufge- worfen, das nennt man Uncus corporis, an der Unterseite jedoch abge- schrägt und gefurcht. Vom Uncus corporis gehen gelegentlich kleine Knochenwucherungen aus, die auf die jeweiligen Spinalnerven drücken können. Die Halswirbellöcher sind verhältnismässig gross, weil sie die zervikale Anschwellung des Rückenmarks (Intumescentia cervicalis) aufnehmen. Jeder Halswirbel steht über den oberen Gelenkfortsatz, auch Facies articularis superior genannt, zum unteren Gelenkfortsatz des darüberliegenden Halswirbels  in Kontakt. So bildet sich der Wirbelkanal der HWS, der auch Foramina intervertebralia genannt wird.
Der 7. Halswirbel, auch Vertebra prominens genannt, hebt sich ein wenig von den anderen Wirbeln der HWS ab. Sein sehr langer Dornfortsatz endet in einem deutlichen Höcker. Diesen Höcker kann man am unteren Ende der Nackenfurche relativ leicht ertasten. Dem 7. Halswirbel fehlt manchmal der Foramen transversarium auf einer oder auch auf beiden Seiten.

Die Halswirbelsäule beherbergt des weiteren einen Teil des Rückenmarks, nämlich 8 Rückenmarkssegmente (Halssegmente) die insbesondere die Atmungsmuskulatur und die oberen Extremitäten versorgen.. Arterienverlauf in der HWS und im Kopf

Aber nicht nur Nervenstränge durchlaufen die Halswirbelsäule, es gibt auch Arterien, die die HWS als “Kanal” benutzen. Die wichtigsten Arterien hier sind die zwei Arteria vertebralis. Beide Arterien entspringen der Arteria subclavia (Ateria ist lateinisch für Arterie), ziehen sich rechts und links der HWS durch die Foramina transversi (Plural für Foramina transversaria) des 6. bis 2. Halswirbel, nach dem Durchtritt durch den 2. Halswirbel biegt jede der Arterien dorsal (nach hinten) ab und verläuft auf dem hinteren Atlasbogen, dies ist die Atlasschleife der Arterie. Die Arterien gehen dann in die hintere Schädelgrube und verlaufen dann wieder nach vorn (kranial). Beide Arteria vertebralis vereinigen sich dann zur Arteria basilaris.
Diese Arterien versorgen das Kleinhirn, Teile des Mittelhirns und des Hirnstamms, des weiteren Gehör- und Gleichgewichtsorgane und hintere Anteile des Grosshirns, sowie zervikale Spinalnerven und Ganglien (Nervenwurzeln). Man beachte, dass die Arterie sehr gering dehnbar ist.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen den filigranen und komplizierten Aufbau der Halswirbelsäule etwas näher bringen. Diese Erklärungen hier sind meiner Meinung nach wichtig, um zu verstehen, welche Folgen Verletzungen der HWS nach sich ziehen können. Leider kommt es in unserer technisierten Welt häufig zu Verletzungen der HWS, denken Sie nur an das Schleudertrauma.

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